geschichte der citykirche
Die wechselvolle Geschichte der Dreifaltigkeitskirche:
Klosterkirche - Spitalkirche - Pfarrkirche - Citykirche
Über 900 Jahre alt ist die unscheinbare Kirche an der Rosgartenstraße. Nach über sieben Jahren Bauzeit und einer umfassenden Sanierung wurde sie am 11. Juni 2006 wieder eingeweiht.
Es waren die Adligen und der Bischof von Konstanz, Eberhard II. von Waldburg, die 1268 die "schwarzen Mönche", wie man die Augustiner-Eremiten wegen ihres Habits nannte, in die Stadt holten und sie mit einem Grundstück am damaligen See-Ufer ausstatteten. Die streng lebenden Bettelmönche engagierten sich in der Seelsorge und vor allem im Dienst an den Kranken. Ihnen wurde die Betreuung der "Siechen an der Hofstatt" anvertraut, also den Leprosen oder Aussätzigen und Pestkranken, die isoliert "auf dem Felde" im heutigen Kreuzlingen ihre restliche Lebenszeit fristen mussten.
Daneben widmeten sich die Ordensbrüder der theologischen Wissenschaft und verlegten 1394 das Studium ihrer Ordensprovinz nach Konstanz.
König Sigismund erwählte sich also ein bedeutendes, aber auch zeichenhaft einfaches Kloster zum Quartier, als er von seiner Reise nach Spanien Anfang 1417 zurückkehrte. Die Augustiner erfreuten sich der Wertschätzung des Königs, der ihnen eine neue Orgel schenkte und den heute bedeutendsten Kunstschatz der Kirche, den Freskenzyklus an den Hauptschiffwänden.
Drei Konstanzer Maler, Heinrich Grübel, Kaspar Sünder und Johan Lederhoser, schmückten die 1399 durch einen Brand schwer beschädigte Kirche mit Propheten aus dem Alten Testament, Heiligen und Persönlichkeiten der Ordens- und Zeitgeschichte. Nachdem die Fresken in der Barockzeit (1740) übermalt wurden, war es der damalige Pfarrer und spätere Erzbischof Dr. Conrad Gröber, der 1907 die Fresken freilegen und teilweise restaurieren ließ.
Gröber kaufte auch den Hochaltar, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel aus der 1898 abgebrochenen St. Michaelskirche in Zug. Sie stammen aus den Jahren 1667-69.
Als sich die Reformation in Konstanz 1525 durchsetzte, musste auch die Augustiner ihr Kloster räumen. Die Stadtverwaltung beeilte sich, den Landbesitz, von dem das Kloster gelebt hatte, zu verkaufen; der "Bildersturm" vernichtete die Innenausstattung der Kirche. In zähen Verhandlungen erhielten die Patres nach der Rekatholisierung 1551 einen Teil ihres Besitzes wieder zurück; das ehemalige Schlafgebäude der Mönche blieb aber städtische Fruchtschütte ("Sandhaus"), die an die Stadtmauer angebauten Teile des Klosters dienten von nun an der Festungsanlage der Stadt.
Obwohl die Konstanzer Augustiner hervorragende Gelehrte hervorbrachten, die am Konstanzer Lyzeum und an auswärtigen Universitäten lehrten (so Engelbert Klüpfel in Freiburg), erlitten sie unter dem aufklärerischen Kaiser Joseph II. dasselbe Schicksal wie die anderen Klöster: sie wurden zunächst durch das Verbot der Neuaufnahme von Novizen zum Aussterben verurteilt und dann aufgelöst.



Ab 1786 wurde das Kloster schrittweise enteignet, die städtische Spitalstiftung übernahm ab 1792 die Verwaltung des Vermögens und schloss 1802 - also kurz vor der staatlichen Säkularisation - den "Ewigen Vitalitiumsvertrag" mit den übrigen vier Ordenspriestern. In die Gebäude zog das städtische Spital um, dessen bisheriges Haus an der Marktstätte baufällig geworden war.
Für die Übernahme der teilweise ertragreichen Güter (so Spetzgart bei Überlingen-Hödingen, Weinberge in Wollmatingen, Ermatingen und Mannenbach) verpflichtete sich die Spitalstiftung u.a.,
- vier Priester zu unterhalten, die die Spitalseelsorge wahrnahmen,
- für die Kirche und die Klostergebäude aufzukommen
- alle Auslagen für den Gottesdienst "ohne Ausnahme" zu bezahlen.
Nach dem Neubau des städtischen Spitals in Petershausen wurden die Klostergebäude 1872 abgerissen und die Grundstücke zur Bebauung (heutige Sigismund- und Bodanstraße, Bahnhofsplatz) verkauft.
Der neue badische Landesherr verfügte 1812 eine Neuordnung der Pfarreien: St. Johann, St. Paul und St. Jodok wurden verkauft, die Spitalkirche wurde Pfarrkirche für die Südstadt und erhielt 1908 den Namen "Dreifaltigkeitskirche". Von 1874 bis 1904 wurde sie auf Beschluss der badischen Regierung der altkatholischen Kirche zur Nutzung überlassen; die Katholiken hielten ihren Gottesdienst in St. Stefan ab.
Wie oft in vergleichbaren Fällen wurde das erbeutete Kapitalgut, von dem die Mönche jahrhundertelang gelebt hatten, bald versilbert und aufgezehrt. Die "auf ewig" eingegangenen Verpflichtungen hingegen hat die Spitalstiftung oft nur zögerlich erfüllt. Zwar wurde die Dreifaltigkeitskirche innen 1957 bis 1959 und außen 1966 bis 1968 renoviert. Das "grundlegende" Problem wurde aber nicht angegangen. Die nach dem Abriss des Klosters plötzlich freistehende Kirche neigte sich auf dem schwammigen Seeton-Untergrund immer weiter nordwärts und weist heute eine Lot-Abweichung der Nordmauer von 56 cm auf, so dass erhebliche Einsturzgefahr bestand. Nach jahrelangen Verhandlungen einigten sich Kirche und Spitalstiftung 1997 auf eine Ablösung des "Ewigen Vitalitiumsvertrages" und damit auch der Bau- und Unterhaltspflicht für 7,5 Millionen DM. Die Rettung der Kirche konnte beginnen.
Ab Ostern 1999 wurden alle tragenden Mauern mit einer zusätzlichen Betonmauer im Boden umfangen. Die weitere Neigung der Kirche konnte zum Stehen gebracht werden.
Danach wurde das gesamte Gebäude saniert und das Kunstgut restauriert - für insgesamt 8 Millionen Euro. Diese gewaltige Summe konnte nur durch verschiedene Zuschussgeber und einen Kredit in Millionenhöhe aufgebracht werden.
Die Schließung der Pfarrkirche über sieben Jahre blieb für die kleine Pfarrgemeinde erwartungsgemäß nicht ohne Folgen für das Gemeindeleben. Es muss geradezu als Glücksfall betrachtet werden, dass in diesen Jahren die Altstadtgemeinden zu einer Seelsorgeeinheit zusammengewachsen sind.
Alle Kirchen werden nun gemeinsam genutzt; die Altstadt ist ein pastoraler und ihre Kirchen ein liturgischer Raum geworden. In der wunderschön wiedererstandenen Dreifaltigkeitskirche werden die Gottesdienste stattfinden, die dorthin besonders gut passen. Dazu hilft die flexible Bestuhlung und die vielseitige technische Inneneinrichtung.
Die Erzdiözese hat seit vier Jahren begonnen, die Präsenz der Kirche in den Innenstädten - genannt "City-Pastoral" - besonders zu fördern. In der zentral gelegenen Kirche werden darum nicht nur Gottesdienste verschiedener Art stattfinden, sondern auch kulturelle Veranstaltungen. Die Kirche wird ein Ort der Ruhe, des Gebetes und der Begegnung sein. Zu bestimmten festen Zeiten wird man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ökumenischen City-Pastoral dort antreffen, die von Diplom-Psychologin und Gemeindereferentin Monika Pätzel ausgebildet und begleitet werden.
Ein herzliches "Vergelt's Gott!" sei allen gesagt, die der Dreifaltigkeitskirche die Treue gehalten und ihre Rettung ermöglicht haben.
M. Trennert-Helwig
Weiterführende Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeitskirche_%28Konstanz%29
http://commons.wikimedia.org/wiki/Dreifaltigkeitskirche_%28Konstanz%29?uselang=de
Wöchentliche Angebote
Montag - Freitag, 16:00 - 18:00 Uhr
da sein
Gelegenheit zum persönlichen Gespräch, Infotheke, Kirchenladen
tankstille - offene Meditation
amen - Ökumenisches Abendgebet
Citymesse
(Samstag nach Ostern-September/Advent)
fünf nach zwölf - Wort | Musik | Stille
Seelsorgerliches Gespräch / Beichtgelegenheit
Hl. Messe am Sonntagvorabend
